Chronische Auszehrungskrankheit: Chronic Wasting Disease (CWD)

3. Januar 2026

Jagdtalk: Chronic Wasting Disease (CWD) – Interview mit Dr. Sonja Ernst (FLI)

Inhaltsverzeichnis


Kurz erklärt: CWD in 6 Punkten

  • CWD = Chronic Wasting Disease, auch „chronische Auszehrkrankheit“.
  • Keine Virus- oder Bakterienkrankheit: Ursache sind Prionen (fehlgefaltete Proteine).
  • Verlauf langsam, Inkubationszeit oft lang – am Ende tödlich.
  • Symptome sind unspezifisch (Abmagerung, Verhalten, Gangbild).
  • Sicherer Nachweis in der Praxis meist post mortem über Laborproben.
  • Prionen sind sehr stabil – deshalb ist Prävention besonders wichtig.

Hinweis: Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und zur besseren Lesbarkeit verkürzt und gegliedert. Trotz sorgfältiger Prüfung können Abweichungen zum gesprochenen Wort vorkommen.

Die Podcast-Episode zur Chronischen Auszehrungskrankheit, der Chronic Wasting Disease (CWD) können Sie hier oder in Ihrer Podcast-App anhören. Sie finden uns z. B. bei Spotify, Apple Podcasts oder Amazon Music unter dem Stichwort „Jagdtalk“.

Ausführliche FAQ zur CWD finden Sie hier.

Du möchtest die wichtigsten Inhalte zur CWD gebündelt sehen? Hier findest du den Überblick mit Podcast, FAQ, Videos und Downloads – plus die wichtigsten Einstiegslinks auf einen Klick.

Intro

Markus Stifter:
Jagdtalk – der Podcast für Jäger und andere Artenschützer.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jagdtalk. Ich bin Markus Stifter, Journalist und Filmemacher mit den Schwerpunkten Jagd, Forst und Landwirtschaft.

Heute sprechen wir über eine Tierseuche, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgt und auch für unser heimisches Schalenwild eine ernste Bedrohung darstellen könnte: die Chronic Wasting Disease, kurz CWD – oft auch als chronische Auszehrkrankheit bezeichnet. Doch was ist dran an diesen Begriffen, wie gefährlich ist CWD wirklich – und wie groß ist das Risiko für Deutschland?

Antworten darauf gibt Dr. Sonja Ernst vom Friedrich-Loeffler-Institut, die aktuell das bundesweite Forschungs- und Überwachungsprojekt WiLiMan-ID zur CWD begleitet. Wir sprechen über die Krankheit, ihre weltweite Verbreitung, den Erreger, typische Symptome, Diagnosewege und den wichtigen Beitrag der Jägerschaft zur CWD-Überwachung.

Wenn Ihnen dieser Podcast gefällt, freuen wir uns über Ihre Weiterempfehlung. Unter dem Stichwort „Jagdtalk“ finden Sie uns in allen gängigen Podcast-Apps wie Apple Podcasts, Spotify oder Amazon Music – und natürlich auf jagdtalk.de.

Markus Stifter:
Herzlich willkommen, Frau Dr. Ernst!

Dr. Sonja Ernst:
Vielen herzlichen Dank für die Einladung.

↑ zurück nach oben


1) WiLiMan-ID: Hintergrund und Ziel der CWD-Überwachung

Markus Stifter:
Frau Dr. Ernst, Sie haben am 19. September 2025 über das Forschungsvorhaben WiLiMan-ID informiert. Worum geht es bei diesem Projekt genau?

Dr. Sonja Ernst:
„WiLiMan-ID“ ist das Kürzel für den Titel „Ökologie von Wildtieren, Nutztieren, Menschen und Infektionskrankheiten in einer sich verändernden Umwelt“. Das Projekt untersucht mehrere Krankheiten; dazu gehört auch CWD. Ziel ist es, evidenzbasierte Entscheidungshilfen für das Management zu entwickeln.

Für CWD lautet die Kernfrage: Kommt die Krankheit – nach den Nachweisen in Nordeuropa – auch in anderen Teilen Europas vor? Deshalb führen wir in Deutschland stellvertretend für Mitteleuropa eine aktive Surveillance-Studie über mehrere Jahre durch, auch während der Jagdsaison.

Warum gerade jetzt wieder aktiv überwachen?

Markus Stifter:
Warum ist gerade jetzt wieder eine aktive CWD-Überwachung in allen Bundesländern notwendig?

Dr. Sonja Ernst:
Wir wollen Deutschland flächig prüfen, auch weil frühere Untersuchungen teils viele Jahre zurückliegen. Bei neuen Krankheiten ist es wichtig, einen Ausbruch so früh wie möglich zu entdecken. Gerade bei Erregern mit hoher Stabilität ist frühes Handeln entscheidend.

Markus Stifter:
Das bedeutet eine lange Haltbarkeit in der Umwelt?

Dr. Sonja Ernst:
Genau. Das ist ein sehr stabiler Erreger. Ohne Therapiemöglichkeiten ist es besonders wertvoll, früh Bescheid zu wissen.

Welche Proben sind wichtig?

Markus Stifter:
Welche Bedeutung haben Proben von Reh-, Rot- und Sikawild in der aktuellen Untersuchung?

Dr. Sonja Ernst:
Viele Hirschartige können grundsätzlich betroffen sein. Eine große Rolle spielt dabei die Genetik – insbesondere das Gen für das Prionprotein. Rot- und Sikawild sind eng verwandt, und vieles deutet darauf hin, dass sie empfänglich sind. Beim Rehwild gibt es bisher keine natürlichen Fälle, aber genetisch sehen wir starke Hinweise auf eine mögliche Empfänglichkeit.

Was wünscht sich das FLI von der Jägerschaft?

Markus Stifter:
Was wünschen Sie sich von den Jägern in Bezug auf Probenzahl, regionale Verteilung und Mitarbeit?

Dr. Sonja Ernst:
Eine gute Abdeckung aus allen Bundesländern ist wichtig. Wir sind auf Probeneinsendungen angewiesen. Als Zielgröße stehen mindestens etwa 1.500 bis 2.000 Proben im Raum, damit die Ergebnisse möglichst repräsentativ sind.

Probennahme in der Jagdpraxis

Markus Stifter:
Wie funktioniert die Probennahme in der Jagdpraxis – worauf müssen Jäger achten?

Dr. Sonja Ernst:
Wir benötigen Gehirnproben. Das Haupt wird vor dem ersten Halswirbel abgeschärft, über das Hinterhauptsloch kann man mit einem langen, löffelförmigen Gegenstand Gewebe entnehmen. Die Probe kommt in ein auslaufsicheres Gefäß; sie kann auch eingefroren und später gesammelt eingesendet werden. Ein zusätzlicher tiefer Halslymphknoten ist hilfreich, aber die Gehirnprobe ist zentral.

↑ zurück nach oben


2) Grundlagen: Was ist CWD?

Markus Stifter:
Was genau ist die Chronic Wasting Disease?

Dr. Sonja Ernst:
CWD ist eine Prionerkrankung und gehört zu den transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE). Der Erreger ist ein fehlgefaltetes Prionprotein. Die Krankheit ist nicht therapierbar und verläuft tödlich.

Markus Stifter:
Die Übertragung findet ähnlich wie bei Virus oder Bakterium statt – aber was löst das Prionprotein im Körper aus?

Dr. Sonja Ernst:
Die pathologische Form „veranlasst“ körpereigenes Prionprotein, ebenfalls fehlzufalten. Der Körper kann das nicht abbauen. Es lagert sich vor allem im Gehirn an und schädigt Nervengewebe.

Markus Stifter:
Warum wird CWD als chronische Auszehrkrankheit bezeichnet?

Dr. Sonja Ernst:
Weil die Tiere über längere Zeit deutlich abmagern – oft trotz Futteraufnahme.

↑ zurück nach oben


3) Geschichte und weltweite Verbreitung

Markus Stifter:
Wo und wie wurde CWD erstmals entdeckt?

Dr. Sonja Ernst:
Frühe Fälle wurden in Colorado beschrieben. Später wurde erkannt, dass es sich um eine Prionerkrankung handelt. Der genaue Ursprung ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Markus Stifter:
Wie hat sich CWD über die Jahrzehnte ausgebreitet?

Dr. Sonja Ernst:
Tierverbringung und Verschleppung durch Menschen gelten als wichtige Faktoren. In Wildpopulationen spielt Umweltkontamination eine große Rolle.

↑ zurück nach oben


4) CWD in Europa und Risiko für Deutschland

Markus Stifter:
Wann wurde CWD erstmals in Europa nachgewiesen?

Dr. Sonja Ernst:
2016 in Norwegen – zunächst als auffälliges Einzeltier. Danach wurden weitere Fälle entdeckt.

Markus Stifter:
Wie hoch ist das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland?

Dr. Sonja Ernst:
Natürliche Migration wäre eher langsam. Der Mensch ist aber ein wichtiger Risikofaktor – Jagdreisen, Tourismus, Verbringung oder kontaminierte Ausrüstung.

↑ zurück nach oben


5) Symptome, Inkubationszeit und Ansteckungsrisiko

Markus Stifter:
Wie verläuft die Krankheit – und wie lang ist die Inkubationszeit?

Dr. Sonja Ernst:
CWD ist langsam fortschreitend und anfangs schwer zu erkennen. Die klinische Phase ist unterschiedlich lang; häufig stehen Verhaltensänderungen, Koordinationsstörungen und Abmagerung im Vordergrund.

  • Abmagerung, schlechter Allgemeinzustand
  • Verhaltensänderungen, Verlust der Scheu
  • Torkeln, unsicherer Gang, Desorientierung
  • Speichelfluss, Schluckstörungen

Praxis-Hinweis: Symptome sind nicht eindeutig und können andere Ursachen haben. Bei auffälligem Wild das Veterinäramt informieren.

↑ zurück nach oben


6) Diagnose und Differenzialdiagnosen

Markus Stifter:
Wie wird CWD sicher diagnostiziert?

Dr. Sonja Ernst:
In der Praxis meist nach dem Tod. Für den Nachweis sind geeignete Gewebeproben nötig; auffällige Screenings werden durch weitere Verfahren bestätigt.

Markus Stifter:
Welche Differenzialdiagnosen müssen ausgeschlossen werden?

Dr. Sonja Ernst:
Viele Ursachen sind möglich – von Parasiten und Mangelzuständen bis zu anderen Infektionen oder neurologischen Erkrankungen.

↑ zurück nach oben


7) Prävention, Dekontamination und Empfehlungen

Markus Stifter:
Gibt es eine Behandlung oder Möglichkeiten, CWD zu stoppen?

Dr. Sonja Ernst:
Nein. Prionerkrankungen sind nicht heilbar. Prävention ist entscheidend.

Markus Stifter:
Welche Hygienemaßnahmen empfehlen Sie bei Jagdreisen?

Dr. Sonja Ernst:
Vorab informieren, Regeln zur Verbringung beachten, Ausrüstung gründlich reinigen und keine potenziell kontaminierten Materialien verschleppen.

↑ zurück nach oben


Aufruf zur Mitarbeit

Dr. Sonja Ernst:
Vielen Dank an alle, die bereits Proben eingesendet haben. Ohne die Mitarbeit der Jägerschaft wäre das Projekt nicht möglich. Wir freuen uns über weitere Einsendungen – besonders von adulten Tieren – aus allen Bundesländern.

↑ zurück nach oben


Outro

Markus Stifter:
Vielen herzlichen Dank an Dr. Sonja Ernst vom Friedrich-Loeffler-Institut für die klar verständlichen und wissenschaftlich fundierten Einblicke in die Chronic Wasting Disease.

CWD ist eine der komplexesten und hartnäckigsten Tierseuchen weltweit – und gerade deshalb ist die Mitarbeit der Jägerschaft so entscheidend. Durch das Projekt WiLiMan-ID können wir gemeinsam dazu beitragen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Wenn Ihnen diese Podcastfolge gefallen hat, empfehlen Sie sie gerne weiter. Unter dem Stichwort „Jagdtalk“ können Sie den Podcast in allen gängigen Podcast-Apps abonnieren – dann verpassen Sie keine neue Folge.

Ich bin Markus Stifter. Vielen Dank fürs Zuhören – und Waidmannsheil!

↑ zurück nach oben


Links & Mitmachen

Mehr Infos zur CWD – Links & Materialien

  • Informationsseite des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zur CWD: Hier öffnen
  • Download: Leitfaden zur Probengewinnung (PDF): Leitfaden herunterladen
  • YouTube: CWD / symptomatische Tiere (für die Inhalte sind die jeweiligen Ersteller/Herausgeber verantwortlich):

Podcast abonnieren: Jagdtalk kann über Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer und viele andere Podcast-Apps und Portale kostenfrei abonniert werden – so verpassen Sie keine Folge mehr.

Newsletter-Tipp: Abonnieren Sie den Jagdtalk-Newsletter und bleiben Sie über neue Folgen und Hintergründe informiert: Jetzt abonnieren

Transparenzhinweis: Markus Stifter ist auch als Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen e. V. tätig.

Hinterlassen Sie eine Nachricht

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht. * Pflichtfelder