CWD FAQ Chronische Auszehrungskrankheit:Symptome, Diagnose, Übertragung

3. Januar 2026

Zuletzt aktualisiert: 03.01.2026
Diese FAQ basiert auf der Jagdtalk-Podcastfolge mit Dr. Sonja Ernst (Friedrich-Loeffler-Institut) und erklärt die wichtigsten Punkte zu Chronic Wasting Disease (CWD) in verständlicher Sprache. Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.

CWD FAQ: Chronic Wasting Disease beim Schalenwild
CWD FAQ: Chronic Wasting Disease beim Schalenwild;
Symbolfoto Rotwild (keine kranken Tiere): WildMediaSK/Envato

Inhalt

  • Grundlagen zu CWD und Prionen
  • Verbreitung: Nordamerika und Europa
  • Symptome und Verlauf
  • Übertragung und Umweltstabilität
  • Diagnose und Differenzialdiagnosen
  • Risiko für den Menschen
  • Prävention und Empfehlungen für die Jagdpraxis
  • WiLiMan-ID: Mitarbeit und Probennahme

Grundlagen:

Was ist Chronic Wasting Disease (CWD)?

CWD ist eine Prionkrankheit bei Hirschartigen. Sie betrifft das Nervensystem, verläuft langsam, ist nicht heilbar und endet praktisch immer tödlich. CWD ist keine Virus- oder Bakterienkrankheit.

Warum heißt CWD „chronische Auszehrungskrankheit“?

Weil erkrankte Tiere über längere Zeit deutlich abmagern und insgesamt schwächer werden. Das ist oft eines der auffälligsten Merkmale – allerdings nicht das einzige.

Was ist ein Prion – einfach erklärt?

Ein Prion ist ein fehlgefaltetes Eiweiß. Es kann körpereigene Eiweiße dazu bringen, sich ebenfalls falsch zu falten. Der Körper kann diese Strukturen schlecht abbauen – dadurch entstehen Schäden, vor allem im Gehirn.

Worin unterscheidet sich CWD von Virus- oder Bakterienkrankheiten?

Bei Virus- und Bakterienkrankheiten bekämpft der Körper einen Erreger, der sich vermehrt. Bei CWD geht es um fehlgefaltete Proteine, die eine Kettenreaktion auslösen. Viele Standard-Desinfektionsmittel wirken gegen Prionen nicht zuverlässig.

Warum wird CWD mit BSE und Creutzfeldt-Jakob verglichen?

Weil alle zu den Prionkrankheiten gehören. Der Krankheitsmechanismus ist ähnlich: Fehlfaltung von Proteinen, Schädigung von Nervengewebe und ein fortschreitender, nicht heilbarer Verlauf.

Verbreitung

Wo wurde CWD erstmals entdeckt?

Erste Beschreibungen stammen aus den 1960er Jahren aus Colorado (USA). Später wurde erkannt, dass es sich um eine Prionkrankheit handelt.

Wie verbreitet ist CWD in Nordamerika?

CWD ist dort seit Jahrzehnten bekannt und in vielen Regionen nachgewiesen. In einzelnen Gebieten ist die Krankheit sowohl in Wildpopulationen als auch in Gehegen ein großes Problem.

Seit wann gibt es CWD in Europa?

Der erste Nachweis in Europa gelang 2016 in Norwegen bei einem Rentier. Seitdem wurde CWD in Skandinavien dank aktiver Überwachung auch bei weiteren Hirschartigen entdeckt.

Gibt es CWD in Deutschland?

Ob CWD in Deutschland vorkommt, wird durch Überwachungsprogramme geprüft. Das Monitoring soll einen möglichen Eintrag früh erkennen.

Wie kann CWD nach Deutschland eingeschleppt werden?

Als wichtiger Risikofaktor gilt der Mensch, zum Beispiel durch Jagdreisen, Ausrüstung, Verbringung von Tiermaterial oder nicht eingehaltene Regeln. Natürliche Ausbreitung über große Distanzen gilt als eher langsam.

Symptome und Verlauf

Welche Wildarten können an CWD erkranken?

CWD betrifft Hirschartige. Im Fokus stehen in Deutschland besonders Rehwild, Rotwild und Sikawild. In anderen Ländern sind unter anderem Rentier und Elch betroffen.

Welche Symptome können auf CWD hindeuten?

Mögliche Anzeichen sind Abmagerung, unsicherer Gang, Desorientierung, verändertes Verhalten, Verlust der Scheu, Speichelfluss und Schluckstörungen. Die Symptome sind nicht eindeutig.

Wie lange ist die Inkubationszeit bei CWD?

CWD entwickelt sich langsam. Zwischen Infektion und sichtbaren Symptomen kann viel Zeit liegen, oft Monate bis Jahre.

Versterben alle infizierten Tiere?

Nach heutigem Kenntnisstand verläuft CWD praktisch immer tödlich. Eine Heilung oder wirksame Behandlung gibt es nicht.

Warum kann es bei der CWD zu Schluckstörungen und Aspirationspneumonie kommen?

CWD schädigt das Nervensystem. Schluckstörungen können dazu führen, dass Futter oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. Das kann eine Aspirationspneumonie auslösen.

Übertragung und Umweltstabilität

Wie wird CWD übertragen?

Eine Übertragung ist durch Kontakt zwischen Tieren möglich, außerdem über die Umwelt. Prionen können über Körperflüssigkeiten und Gewebe in die Umgebung gelangen und dort lange stabil bleiben.

Wie lange bleiben Prionen in der Umwelt infektiös?

Prionen gelten als sehr stabil. In Boden und Umwelt können sie lange erhalten bleiben. Das ist einer der Gründe, warum CWD schwer zu kontrollieren ist.

Ist das Risiko im Gehege höher als in freier Wildbahn?

Häufig ja. Im Gehege kommen viele Tiere auf engem Raum zusammen, und Kontamination kann sich schneller aufbauen. In der Wildbahn können Prävalenzen regional ebenfalls steigen.

Diagnose und Differenzialdiagnostik

Wie wird CWD sicher diagnostiziert?

Der sichere Nachweis erfolgt in der Praxis meist post mortem, also nach dem Tod. Dafür werden passende Gewebeproben im Labor untersucht.

Welche Proben sind für den Nachweis wichtig?

Typisch sind Proben aus dem Bereich Gehirn/verlängertes Rückenmark und je nach Vorgehen bestimmte Lymphknoten. Welche Probe nötig ist, hängt vom Programm und Labor ab.

Kann man CWD am lebenden Tier testen bzw. nachweisen?

Für die sichere Routine-Diagnostik ist das schwierig. Symptome sind unspezifisch, und laborsichere Verfahren benötigen in der Regel geeignetes Gewebe.

Welche Differenzialdiagnosen kommen in Frage?

Viele: Parasiten, Zahnprobleme, Mangelzustände, andere Infektionen, Vergiftungen oder neurologische Erkrankungen. Deshalb ist die Laborabklärung wichtig.

Risiko für den Menschen

Gibt es Prionkrankheiten beim Menschen?

Ja. Dazu zählt unter anderem die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Ist BSE auf den Menschen übertragbar?

Ja. BSE („Rinderwahn“) ist als zoonotisch bekannt und kann auf den Menschen übertragen werden.

Ist CWD auf den Menschen übertragbar?

Bisher sind keine Fälle beschrieben, in denen CWD beim Menschen nachgewiesen wurde. Das mögliche zoonotische Potenzial wird intensiv erforscht; aktuell gilt es als sehr gering, ausschließen lässt es sich aber nicht.

Prävention und Jagdpraxis

Gibt es eine Behandlung oder Impfung gegen CWD?

Nein. Es gibt derzeit keine Behandlung, die CWD stoppt oder heilt, und keine Impfung. Prävention und frühe Erkennung sind deshalb entscheidend.

Warum ist Dekontamination so schwierig?

Prionen sind extrem stabil. Viele Standardverfahren reichen nicht aus. Das macht die Sanierung von Gehegen oder Räumen im Verdachtsfall sehr aufwendig.

Was sollten Jäger bei Jagdreisen in CWD-Regionen beachten?

Vorher informieren, Regeln zur Verbringung beachten, Ausrüstung und Kleidung gründlich reinigen und keine potenziell kontaminierten Materialien verschleppen. So reduziert man das Risiko der Verschleppung.

Was sollen Jäger tun, wenn sie ein auffälliges Tier sehen?

Beobachtung möglichst genau merken (Ort, Zeitpunkt, Verhalten) und das zuständige Veterinäramt informieren. Frühe Hinweise sind wertvoll, auch wenn es am Ende nicht CWD ist.

WiLiMan-ID: Mitmachen und Probennahme

Was ist WiLiMan-ID?

WiLiMan-ID ist ein Forschungs- und Überwachungsvorhaben, das unter anderem dazu dient, den CWD-Status von Schalenwild in Deutschland besser zu bewerten.

Welche Wildarten sind für WiLiMan-ID besonders wichtig?

Vor allem Rehwild, Rotwild und Sikawild – aus möglichst vielen Regionen Deutschlands.

Wie läuft die Probennahme grundsätzlich ab?

Benötigt wird vor allem eine Gehirnprobe, die über das Hinterhauptsloch entnommen werden kann. Details zu Material, Beschriftung und Versand stehen in den verlinkten Anleitungen.

Wie viele Proben werden benötigt?

Wichtig ist eine breite regionale Abdeckung aus allen Bundesländern. Auch Proben aus Regionen mit bisher wenig Einsendungen sind besonders wertvoll.

Weiterführende Links zur CWD (CWD-Überwachung & Probennahme)

  • FLI-Informationsseite zur Chronic Wasting Disease: Hier öffnen
  • Leitfaden zur Probengewinnung (PDF): Download
  • YouTube: Beispiele symptomatischer Tiere (Inhalte liegen in der Verantwortung der jeweiligen Ersteller):

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